Flüchtlingssituation im Landkreis Main-Spessart

SPD-Kreisvorstand und Kreistagsfraktion befaßten sich in ihrer Klausurtagung auf der Benediktushöhe mit der Flüchtlingsproblematik im Landkreis Main-Spessart.

17. September 2015

Die Situation der Flüchtlinge und die Herausforderungen für den Landkreis standen im Mittelpunkt einer gemeinsamen ganztägigen Klausur von SPD-Kreisvorstand und SPD-Kreistagsfraktion in Retzbach auf der Benediktushöhe. Dazu hatte Kreisvorsitzender Harald Schneider von der Caritas Main-Spessart die Flüchtlingsberaterin Alexandra Ott, Flüchtlingsberaterin der Caritas Main-Spessart und Abdurahman Bilican, stellvertretenden Landesvorsitzenden der Arbeitsgruppe Migration und Vielfalt der SPD eingeladen.

Klausurtagung

Während MdB Bernd Rützel das Flüchtlingsthema aus Sicht der letzten Beschlüsse der Bundesregierung beleuchtete und die Aufstockung der Mittel für die Flüchtlingshilfe auf sechs Milliarden Euro begrüßte, gingen die beiden anderen Referenten auf die konkrete Situation in Bayern und im Landkreis Main-Spessart ein. Alexandra Ott von der Caritas sprach angesichts der steigenden Anzahl von Flüchtlingen von einer Riesenherausforderung für den Landkreis, zumal die Zahl der Flüchtlinge von momentan rund 700 sicherlich bald auf 1000 ansteigen werde. Während die Caritas 2014 noch 1,8 Stellen in der Flüchtlingsberatung hatte, sind es mittlerweile 3,4 und es werden noch weitere Stellen benötigt. 60 Prozent dieser Kosten werden vom Land getragen, den Rest finanziert die Caritas. Die Hauptaufgabe der Caritas liegt in der sozialen Beratung der Flüchtlinge z. B. bezüglich Behördenfragen, Schul- und Kindergartenbesuch, ärztliche Betreuung und psychologische Betreuung von traumatisierten Neunkömmlingen. « Der Stress geht aber erst richtig los, wenn die Menschen als Flüchtlinge anerkannt sind, wenn sie arbeiten dürfen und wollen, Wohnung suchen, Mobilität und Lebensunterhalt selbst bestreiten müssen. » Hier geht ein Appell an die Landkreisbürger, freien Wohnraum zur Verfügung zu stellen, da sie somit einen erheblichen Beitrag zur Bewältigung der Flüchtlingssituation beitragen können.

Ausdrücklich lobte Alexandra Ott die Zusammenarbeit mit dem Sozial- und Ausländeramt des Landkreises, wo der Wille zur schnellen und flexiblen Hilfe zu spüren ist. Trotz dieser positiven Rückmeldung gibt es eine Vielzahl von Aufgaben, die an bürokratischen Hürden scheitern. Flüchtlinge, die einen Führerschein haben, müssen nach einem halben Jahr die deutsche Fahrerlaubnis erwerben. Dies scheitert aber den Sprachkenntnissen, da die Fragebögen in Deutsch auszufüllen sind. Die Prüfungen sind in russisch oder türkisch möglich, nicht jedoch in arabisch. Hier will die SPD über den parlamentarischen Weg im Verkehrsministerium tätig werden und sich auch an den Fahrlehrerverband wenden. Ein großer Aktionsgebiet sind Schulen und Kindergärten. Fast täglich kommen neue Schüler hinzu oder es ziehen welche weg. Das Schulamt und die einzelnen Schulen sind hier stark gefordert. Aktuell wird zur Berufsintegration eine erste Vorklasse für rund 15 Jugendliche, die als unbegleitete minderjährige Flüchtlinge unt das KJHG fallen, in Karlstadt eingerichtet. Hier liegt nach Meinung von Kreisrätin Heidi Wright, Mitglied im Jugendhilfeausschuß, eine der Schlüsselfunktionen für Integration. Deshalb müsse sehr flexibel und zeitnah auf notwendige Erweiterung geachtet werden.

Die SPD-Kreistagsfraktion will sich dafür verwenden, dass die dringend erforderliche Stelle für die Koordinierung der ehrenamtlichen Arbeit im Landkreis geschaffen wird. « Die zahllosen Ehrenamtlichen brauchen in ihrer Arbeit Unterstützung und es sicherlich nicht notwendig, dass jeder Helferkreis ständig das Rad neu erfinden muss, » so Fraktionsvorsitzender Franz Wolf. Als sehr hilfreich wird auch ein zentraler Übersetzungsdienst im Landkreis gesehen, da viele Kriegsgebietsflüchtlinge weder Deutsch noch Englisch sprechen. Abdurahman Bilican von der Arbeitsgruppe Migration und Vielfalt wird eine ausreichende Zahl von Grundgesetzen in arabischer Sprache besorgen und diese verteilen, da gerade hier die Grundlange der Integration liegt.

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